„Der Spiegel“ nicht mehr akut von Armut bedroht

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Rettet die Mietmäuler: Die Auflagenzahlen sinken rapide und auch online haben weniger Menschen Bock sich den LÜGEL zu geben. Armut kann so einen Verlagsapparat schnell in die Bredouille bringen. Gott sei Dank gibt es Bill und Melinda, die schon seit langem gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit kämpfen … vornehmlich gegen die eigene. Das mag die Schnittmenge mit dem Spiegel sein. Bill und Melinda haben wahrlich ein großes Herz. Und wenn es um die passenden Mietmäuler geht, der zu erwartende Nutzen annähernd den Erwartungen ihrer jovialen Stiftung entspricht, können selbst die armen Schlucker aus der deutschen Medienlandschaft schnell und unkompliziert mit millionenschwerer Abhilfe der Not rechnen.

Der Spiegel selbst hat sich zu diesem Vorgang gar nicht so überschwänglich geäußert. Dort ist man immer noch so hoch erfreut, dass man aus dem Feiern bis dato gar nicht herauskommt und zunächst die Befüllung der Firmenkasse noch eine Weile standesgemäß würdigen möchte. Dafür hat sich die neidische Konkurrenz, in diesem Fall die Berliner Zeitung, etwas intensiver zu dieser Kleinigkeit geäußert. Gates-Stiftung unterstützt den Spiegel mit weiteren 2,9 Millionen Dollar. Demnach darf der Spiegel in den kommenden 41 Monaten mit Zuwendungen in Höhe von insgesamt 2,9 Millionen Dollar rechnen. Das bürgt für Qualität bei der Meinungsbildung.

Armutsbekämpfung auf hohem Niveau
Das Thema ist einfach genial. Zweck der dieser finanziellen Zuwendung soll sein: „über soziale Spaltungen weltweit zu berichten und ein Verständnis für deren Überwindung zu vermitteln“. Wie viele Kinderherzen in Afrika hätte man mit vergleichbaren Beträgen nicht nur erfreuen sondern sogar ihr physisches Überleben sichern können? Aber in unserer schönen heilen Welt muss man als edler Spender zuvorderst die Funktionstüchtigkeit der Propaganda für die eigenen guten Taten sicherstellen. Es wäre zutiefst betrüblich, unternähme man unentwegt Gutes und niemand berichtete darüber. Dass der Spiegel effektiv die Spaltung im Lande befördert, könnte man womöglich aus einer recht einseitigen Berichterstattung schließen. Es ist aber angesichts von soviel Wohltat unangemessen das zu thematisieren.

Sehen wir noch kurz auf die Auflagenentwicklung des Spiegel und seiner engsten Mitbewerber. Bezüglich der Printausgabe, aber wohl auch bei den Onlinezugriffen, geht es Monat für Monat den Bach runter. Da hat sich der Spiegel, womöglich dank der vorherigen Gates-Millionen, verhältnismäßig gut halten können. In diesem Verlagshaus hat demnach die Armutsbekämpfung eindeutig gewirkt. Aber ist der Trend wirklich schon gebrochen?

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Kann der Spiegel durch diese monetäre Transfusion das Vertrauen seiner Leser weiterhin so gekonnt erschleichen? Die viele Kohle sollte zumindest die Beständigkeit der laufenden Indoktrination in der verbliebenen Leserschaft stabilisieren. Es geht ja auch nicht darum, dass der Spiegel seinen Lesern vertraut, sondern genau umgekehrt. Die Leser dürfen sich zukünftig über eine völlig unabhängige Berichterstattung zu dem “geförderten Zweck” freuen. Soziale Spaltung weltweit überwindet man vornehmlich damit, dass man im Sinne der edlen Spender berichtet. Das ist bereits seit Jahren beim Spiegel garantiert. Nicht zuletzt wegen der enormen Zuwendungen von Bill und Melinda aus der Vergangenheit. So stellt man sich echte journalistische Unabhängigkeit vor. Jetzt wäre es an der Zeit ein Suchspiel zu veranstalten, wo genau es beim Spiegel richtig kritische Berichterstattung zum “Gates-Komplex” gibt … nur wer um Himmels Willen soll die Preisgelder dafür rausrücken?

erscienen am 11. November 2021 auf qpress, Artikel (Mit freundlicher Genehmigung)

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