Resilienz oder Restintelligenz der Deutschen?

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Vorweg vielleicht ein Hinweis, damit sich niemand auf die Füße getreten fühlt. Wenn wir hier über “Deutsche” reden, dann meinen wir damit vorzugsweise den deutschen Sprachraum. Und da tun sich nach den Erkenntnissen der Financial Times ganz seltsame Dinge im Zusammenhang mit der Welt-Impf-Gleichschaltung. In englischer Sprache ist es hier (leider nur hinter der Bezahlschranke) verfügbar: “Nein Danke” • the resistance to Covid-19 vaccines in German-speaking Europe … [FT]. Zumindest ist es eine Betrachtung wert.

Jetzt ist allerdings nicht ganz klar, ob es sich dabei um einen geschickten Propaganda-Feldzug handelt und welcher Stoßrichtung der dienen soll. Aus Sicht der Impfskeptiker wäre es ein Stück Hoffnung, dass sich doch noch ein Fragment an Restintelligenz und Kritikfähigkeit zu der Thematik hartnäckig hält. Für die Spritz-Fanatiker hingegen ist es ein eindeutiger Beleg für die mangelnde Solidarität der Deutschen. Wie jede Statistik, folgt auch diese scheinbar den Wünschen der Macher und die Datenbasis ist nicht ganz so klar wie man uns glauben machen möchte. Deshalb zunächst als Bildzitat zu dem Artikel, hier die in den sozialen Medien kursierende Grafik.

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Trau, schau, wem …

Immerhin ist dort ja die Quelle der Daten angegeben: Share of people vaccinated against COVID-19, Nov 13, 2021 … [OurWorldInData]. Dort gibt es allerdings keine explizite Sparte oder Fundstelle die über den prozentualen Stand der Ungeimpften der einzelnen Nationen Auskunft gibt. Demzufolge die Darstellung eine inverse Betrachtung zur Zahl der Geimpften und selbst die scheint irgendwie noch zu hinken. So ohne weiteres lassen sich entsprechende Daten, wie von der Financial Times präsentiert, dort nicht vorfinden.

Man könnte auch zu einem ganz anderen Schluss gelangen, wenn man in der besagten Datenquelle einige andere Mitglieder der EU hinzunimmt. Dabei die noch stärker durchgefixten Nationen einfach entfallen lässt und den Blick nach Osten richtet. Das ließe den Schluss zu, das es weit skeptischere Nationen gibt, als ausgerechnet die Deutsch parlierenden. Eben Länder, in denen der “Durchspritzungsgrad” erheblich geringer ausfällt als im deutschsprachigen Raum. Nehmen wir zuvorderst diese daher und ergänzen um ausgewählte EU-Mitglieder nach besagtem Spritzungsgrad, dann ergibt sich das folgende Bild.

 

Demnach wären Restinteligenz und Resilienz gegenüber dem laufenden Spritz-Experiment bei den Tschechen, Polen, Ungarn etc. erheblich weiter ausgeprägt. Interessant dabei auch der Welt-Spritz-Grad. Schade eigentlich, denn damit hat sich die Financial Times irgendwie mit ihrem Artikel ins Knie geschossen. Das ist ein unschönes Zeichen unserer Zeit, mit den gefixten Statistiken. Es bedarf immer ein wenig Mühe den Pferdefuß bei all den vielfältigen Darstellungen ausfindig zu machen. Es ist der Preis für den eigenen Fleiß, den eine sogenannte Informationsgesellschaft zu entrichten hat. Nichts ist erhabener als sich selbst einen geeigneten Eindruck zu verschaffen, wobei wir in diesem Fall nicht einmal wissen wie solide und zuverlässig die verwendete Datenquelle “Our World in Data” überhaupt ist.

erscienen am 14. November 2021 auf qpress, Artikel (Mit freundlicher Genehmigung)

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